Danke, Tao!

Tao Porchon-Lynch war die älteste Yogalehrerin der Welt. Jetzt ist sie mit 101 Jahren gestorben. Ich schreibe ihr einen Brief zum Abschied …

Liebe Tao, wir haben uns leider nie kennengelernt und doch habe ich mich Dir schon oft sehr nah gefühlt. Du hast gesprüht vor Lebensfreude und Leichtigkeit. Deine Augen ein Strahlen, Dein Leben eine Inspiration.

Deine Mutter ist kurz nach Deiner Geburt gestorben, Du bist bei Tante und Onkel aufgewachsen. Schon mit acht Jahren hast Du erfahren, dass es Yoga gibt und von da an fleissig geübt, etwas später dann auch unterrichtet. Bis zuletzt hast Du Dein tiefes Wissen über Yoga an Schüler aus der ganzen Welt weitergegeben (wenige Tage vor ihrem Tod hat Tao ihre letzte Stunde unterrichtet!) – unermüdlich, voller Leidenschaft und Liebe. Du bist mein Vorbild!

„Ich wache jeden Morgen auf und sage mir, dass es der beste Tag meines Lebens wird – und so ist es dann auch, immer!“ Dies ist einer der Sätze von Dir, die mir nicht aus dem Kopf gehen. Ebenso wie: „In meinem Kopf bin ich immer noch in meinen 20ern und ich habe überhaupt gar keine Lust darauf, daran irgendetwas zu ändern.“

Du warst nicht nur Yogalehrerin, sondern auch Tänzerin und Schmuckliebhaberin. Du hast ein Leben voller Freude und Fülle gelebt, ein Leben für das Yoga und die Menschen. Wie gerne hätte ich einmal eine Stunde bei Dir genommen! Dann hätte ich Dich auf jeden Fall gefragt, warum Du denn nicht meditierst? Das habe ich zumindest so gelesen – ob es stimmt? Du meintest, dass Du das klassische Meditieren nicht brauchst. Aber dass Du, wenn Du z.B. einen Sonnenuntergang siehst, anhältst und Dich diesem Moment hingibst. Vielleicht war für Dich das ganze Universum, die Welt in ihrer Schönheit eine Meditation?

Das Geheimnis Deiner Vitalität, Kraft und Energie war sicherlich das Pranayama (die Atemtechniken im Yoga). „Verbinde Dich mit dem Atem des Lebens, spüre die Energie des Lebens, sauge sie tief in Dich ein und dann atme Frieden aus“. Diese Kunst hast Du bis in Perfektion beherrscht und ich bin mir ganz sicher, dass es kein Zufall war, dass Du diese Erde in der Nacht von Shivarati verlassen hast. Shivarati, die Hochzeit von Shiva und Parvati, ist einer der wichtigsten und kraftvollsten Feste im Hinduismus.

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Lebe Wohl, Tao. Danke, dass Du da warst und so warst, wie Du warst. Ich hoffe, wir lernen uns irgendwann einmal kennen!

In Liebe, Deine Anni

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